Essstile

Vier Arten, wie wir essen

Warum greift der eine zur Schokolade, wenn er gestresst ist, und der andere, wenn sie einfach nur dasteht? Die Forschung kennt einige wiederkehrende Muster – und keines davon ist ein Fehler.

EAT
EAT Lab Team
Eating Behavior Laboratory Salzburg

Nicht jeder isst aus dem gleichen Grund

Manche essen, weil die Uhr eine bestimmte Zeit zeigt. Andere, weil etwas Verlockendes in Sichtweite steht. Wieder andere, weil der Tag anstrengend war. Die Forschung fasst solche wiederkehrenden Muster als Essstile zusammen: zeitlich überdauernde Tendenzen im Essverhalten.

Wichtig vorweg: Essstile sind keine Diagnosen. Ähnlich wie Persönlichkeitsmerkmale hat jeder Mensch sie in unterschiedlicher Ausprägung. Erst wenn ein Stil sehr stark ausgeprägt ist und weitere Faktoren dazukommen, kann daraus eine Belastung entstehen.

Externes Essen

Hier bestimmt vor allem die Umgebung, was und wie viel gegessen wird: der Duft aus der Bäckerei, eine große Portion auf dem Teller, Essen, das sichtbar herumsteht. Das eigene Hungergefühl spielt eine kleinere Rolle als das, was gerade verfügbar und attraktiv ist.

Gezügeltes Essen

Kalorien und Gewicht stehen bei jeder Essensentscheidung im Vordergrund – typisch für Menschen, die häufig Diät halten. Das klingt zunächst nach guter Kontrolle, hat aber einen Haken: Gezügeltes Essen sagt erstaunlich schlecht voraus, ob jemand tatsächlich weniger isst. Die dauerhafte gedankliche Beschäftigung mit Verboten kann den gegenteiligen Effekt haben, sobald die Selbstkontrolle einmal nachlässt.

Emotionales Essen

Essen als Reaktion auf Gefühle – meistens auf belastende, manchmal aber auch auf positive. Dieser Stil ist für verschiedene körperliche und psychische Belastungen relevant und macht es besonders schwer, einen bestimmten Ernährungsstil durchzuhalten oder Gewicht zu halten. Denn Essen reagiert dann nicht mehr auf Hunger, sondern auf einen inneren Zustand.

Food Craving

Das starke, schwer zu widerstehende Verlangen nach einem bestimmten, meist sehr schmackhaften Lebensmittel. Anders als Hunger richtet es sich gezielt auf etwas Bestimmtes. Interessant ist die Wechselwirkung mit Diäten: Kurzfristiger, strikter Verzicht auf ein Lebensmittel kann das Verlangen danach verstärken, während längerfristig erfolgreiches Durchhalten es eher abschwächen kann.

💡 Ein Gegenentwurf: Intuitives Essen. Dieser Ansatz setzt bewusst auf das Vertrauen in die eigenen Hunger- und Sättigungssignale statt auf äußere Regeln. Die Grundidee: Der Körper gibt ausreichend feines Feedback darüber, wann, was und wie viel wir essen sollten. Die Forschung dazu ist noch jung, die bisherigen Ergebnisse aber vielversprechend.

Und wenn mehrere zutreffen?

Das ist der Normalfall. Die Stile schließen einander nicht aus – die meisten Menschen erkennen sich in mehreren wieder, mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. Genau deshalb gibt es auch keine Strategie, die für alle funktioniert.

Der praktische Nutzen liegt woanders: Wer weiß, welches Muster bei ihm überwiegt, kann gezielter ansetzen. Wer vor allem extern isst, profitiert davon, seine Umgebung zu verändern. Wer emotional isst, braucht andere Wege im Umgang mit Gefühlen. Das ist ein anderer Ausgangspunkt als „einfach weniger essen".

Welcher Stil überwiegt bei dir?

Unsere Selbsttests zu Stressessen und emotionalem Essen geben dir eine erste Orientierung.

Zu den Selbsttests →

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische oder psychologische Beratung. Er wurde vom Team der Eating Behavior Laboratory (EAT Lab) an der Paris-Lodron-Universität Salzburg erstellt.

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